0 Wie ich mir den Urlaub nach Hause hole...


 
Als ich aus dem klimatisierten Supermarkt trete, trifft es mich mit voller Wucht. Diese schwüle, fast schon feuchte Luft, die sich wie eine Wand um den Supermarkt aufgebaut hat. Als ich mit meinen Einkäufen zum Auto laufe, schließe ich für einen kurzen Moment die Augen, atme tief die Sommerluft ein und träume mich an einen weit entfernten Ort. Ich stelle mir vor, dass ich ein schickes Kleid trage, mich zurecht gemacht habe und dann aus dem klimatisierten Hotel trete um zum Abendessen ins Strandrestaurant zu gehen. Und wieder schlägt mir diese schwülwarme Luft entgegen. Herrlich! Genau so fühlt es sich an als ich an diesem Abend den Supermarkt verlasse und meine ersten Gedanken sind: Urlaub, Sommer, Sonne, Strand, Meer. Und auch wenn ich nicht an diesem weit entfernten Ort bin, sondern nur zuhause in meinem kleinen Heimatort, so kommen in mir diese Glücksgefühle auf, die man im Sommer einfach hat. Ich muss lächeln und fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr. Ich fahre nach Hause, drehe ganz laut auf als „Krawall und Remmidemmi“ läuft, während mein Haar mir noch nass im Nacken klebt. Ich komme vom Baggersee, wo ich mich nach Feierabend mit den Mädels getroffen habe und gut 1,5 km geschwommen bin. Diesen Badesee mag ich ganz besonders. Denn auch er gibt mir das Gefühl, dass ich weit weg von Zuhause bin. Umgeben von vielen Bäumen, hauptsächlich Birken, kann man sich wunderbar vorstellen, man wäre in Schweden. Wenn ich erst abends gehe, ist es bereits ruhiger, ich kann die Natur und die Landschaft genießen und wieder habe ich dieses Gefühl von Urlaub, Entspannung und Ruhe.
 
 
Zuhause angekommen gehe ich erst mal duschen. Ich ziehe mir danach Shorts und Tshirt an und gehe zum Kühlschrank, wo ich bereits am Morgen ein Wasser kühl gestellt habe. Ich schenke mir ein großes Glas davon ein, zupfe ein paar frische Minzblätter aus dem Kräuterkasten vor dem Küchenfester ab, gebe diese ins Wasser und hole mir noch zwei Eiswürfel aus der Gefriertruhe. Der erste große Schluck aus dem Glas ist herrlich erfrischend. Ich hole mir zwei Kerzen und geselle mich mit diesen, meinem kühlen Getränk und meinem Notebook auf die Terrasse. So langsam dämmert es, aber das ist mir egal. Es ist noch so warm draußen, dass ich meine Haare an der Luft trocknen kann. Als ich zu tippen beginne, brummelt es über mir am Himmel. Ein Flieger, wahrscheinlich voll mit aufgeregten Urlaubern, die sich auf ein paar Tage Erholung oder Party in einem fernen Land freuen. Wieder einmal lächele ich vor mich hin. Zum dritten Mal an diesem Tag träume ich mich in die Ferne. Und ich merke, dass ich es zuhause genauso schön habe. Man realisiert dies nur viel zu selten.  Aus der Ferne erklingt Partymusik von den Nachbarn, die bei gutem Sommerwetter jeden Abend ein Lagerfeuer veranstalten und den halben Ort mit Musik versorgen. Wieso auch nicht? Mir gefällt dieses leise Wummern der Bässe. Es riecht nach frischem Heu, die Kirchenuhr schlägt elf und ich sitze immer noch draußen und genieße diesen lauen Sommerabend. Von mir aus könnte dies den ganzen Sommer lang so gehen. Mein Sommermärchen findet dieses Jahr Zuhause statt. Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.
 

 
(Ok, die Bilder sind jetzt natürlich nicht von Zuhause. Aber ich hatte gerade keine anderen zur Hand. Und so kann man sich schon noch besser von zuhause aus an einen fernen Ort träumen :) )
 
Genießt ihr auch den Sommer zuhause? Oder bereitet ihr euch vielleicht schon auf euren Urlaub vor?
 
 
 


0 [Schaffa, schaffa, Häusle baua] Grundrisse, Badplanung und die letzten 3 Monate

 


Dreieinhalb Monate sind seit meinem letzten Hausbau-Post vergangen. Und in denen hat sich doch schon wieder einiges getan. Da ich euch ja auf dem Laufenden halten wollte, gibt es heute mal wieder ein kleines Update dazu. Mit einem Klick auf die Grundrisse, könnt ihr diese übrigens vergrößern, dann erkennt ihr mehr.
 
 
Keller
 
Im März haben wir die Ausschreibungsunterlagen für die Erd- und Kanalarbeiten erhalten. Schwörer hatte uns eine Liste mit zuständigen Bauunternehmen aus unserem Umkreis geschickt und wir mussten nun also mitteilen, von welchem Bauunternehmer ein Angebot eingeholt werden soll. Außerdem konnte man auch selbst noch weitere Unternehmen hinzufügen, wenn diese nicht bereits auf der Liste standen. Da wir in unserem zukünftigen Wohnort ein Bauunternehmen haben und wir den Eigentümer persönlich kennen, war für uns eigentlich schon klar, für wen wir uns entscheiden würden. Wir setzten diesen also auch noch auf die Liste und erhielten drei Wochen später die ersten Angebote für die Erd- und Kanalarbeiten. Von den ganzen Bauunternehmen hatten letzten Endes dann gerade mal drei davon ein Angebot unterbreitet. Uns war nur wichtig, dass der örtliche Bauunternehmer auch dabei war und mit einem deutlichen Preisvorteil zu den beiden anderen war die Entscheidung dann endgültig gefallen. Wieder ein Punkt auf der Liste abgehakt.
 
Erdgeschoss
 
 
Ende März unterzeichneten wir außerdem noch den Kaufvertrag für die Küche. Da der Bruder meines Freundes Schreiner und selbstständiger Küchenberater ist, gab es für uns gar keine andere Möglichkeit, als die Küche über ihn zu beziehen :D Die Beiden sind auch beim Kücheneinbau ein eingespieltes Team und so war das Thema Küche relativ fix ebenfalls erledigt. Darauf freue ich mich ja ehrlich gesagt schon am meisten. Eine schöne große Küche, mit neuen Elektro-Geräten und viel Stauraum und Ablagefläche. In unserer momentanen Wohnung haben wir nämlich nur eine sehr kleine und sehr alte Küche und ich kann es wirklich kaum erwarten in der neuen Küche meine Koch- und Backkünste zu erproben. Wir haben uns übrigens bei den Elektrogeräten (Backofen, Induktionsherd, Mikrowelle und Spülmaschine) für die neue Serie 8 von Bosch entschieden. Im letzten Hausbau-Post hatte ich euch davon schon den Backofen gezeigt.
 
 
 
 Obergeschoss
 
Im April ging es dann hauptsächlich noch um unsere Mehrfertigungen. Am 1. April hatten wir die erste Version davon erhalten und dachten zunächst, dies wäre ein kleiner Aprilscherz. Über dreißig Punkte waren noch fehlerhaft, gar nicht eingezeichnet oder einfach mal dazu erfunden worden. Wir waren ehrlich gesagt sehr enttäuscht von unserem Architekten-Team, da sie bisher einen kompetenten Eindruck gemacht hatten, aber mit so groben Fehlern hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Wenn wir als Bauherren nicht haargenau darauf geachtet hätten, wären am Ende einige Mängel am Haus entstanden. So wurde einige Male hin- und her telefoniert, unsere Nerven ziemlich strapaziert, und am Abend meines Geburtstages brüteten wir dann schließlich ein letztes Mal über der endgültigen Version der Mehrfertigungen und konnten diese unterzeichnen. Halleluja! Der nächste große Schritt war damit geschafft.
 
Ende April folgte erst mal ein Gespräch mit unserem Bauberater, da wir dringend ein aktuelles Angebot und vor allem den aktuellen Preis unseres Bauvorhabens wissen wollten. Es hatten sich ja doch noch mal einige Änderungen nach der Vorbemusterung ergeben.
Am 05.05. hatten wir noch einen Notar-Termin um unser reserviertes Grundstück endgültig zu kaufen. Die Prozedur an sich war relativ belanglos und nach 20 Minuten schon erledigt. Das freudige Gefühl danach, nun wieder einen großen Schritt weiter gekommen zu sein, umso größer.



 
Kurz danach hagelte es dann die ersten Rechnungen, und zwar alle innerhalb drei Tagen. Irgendwann musste das ja auch mal kommen. Schwörer wollte die ersten 10 Prozent Anzahlung, der Architekt sein Abschlusshonorar und das Grundstück sowie der Notar mussten auch bezahlt werden. Gut, dass wir dank Bausparverträgen über nötiges Eigenkapital verfügten und somit noch nicht den „großen“ Finanzierungskredit in Anspruch nehmen mussten.
Nach den ganzen Rechnungen war dann erst mal drei Wochen Ruhe angesagt. Erst Ende Mai ging es wieder weiter und wir erhielten von Schwörer das Kellerbemusterungsprotokoll, in dem wir alle wichtigen Einzelheiten für den Keller festlegen mussten. Das Protokoll umfasste jedoch nur wenige Seiten und nach zwei, drei Telefonaten waren auch die offenen Fragen dazu schnell geklärt und das Protokoll konnte unterzeichnet und zurückgeschickt werden.
Ab diesem Zeitpunkt warteten wir dann gespannt auf die Einladung zur Hauptbemusterung. Und endlich kam der ersehnte Anruf und wir konnten gleich für den 09. Juli einen Termin vereinbaren. Letzte Woche erhielten wir schließlich noch das Einladungsschreiben als auch eine kleine Checkliste. So gibt es zum Beispiel noch offene Punkte mit der Gemeinde wegen der Wasserversorgung zu klären, doch das ist bereits im Gange.



 
Viel wichtiger ist für uns nun das Thema Elektroplanung. Seit zwei Wochen überlegen wir uns nun bereits, wo und wie viele Schalter, Steckdosen und Lampen angebracht werden sollen. Auch die Platzierung der Möbel sollen wir uns bereits überlegen, doch das war relativ schnell geklärt. Die Elektroplanung bringt einen da schon eher ins Grübeln. Aber ein paar Stunden und zwei rauchende Köpfe später waren wir uns auch hier größtenteils einig und hatten alle möglichen Elektroanschlüsse in unsere Pläne eingezeichnet.
Auch das Thema Fliesen rückte in den letzten Wochen in den Vordergrund, da wir uns beim Thema Badezimmergestaltung noch gar nicht einig waren. Inzwischen haben wir aber auch das klären können. So ein Besuch im Fliesenmarkt ist eben doch manchmal hilfreich.


 
Wir haben nun schöne anthrazitfarbene Fliesen aus Feinsteinzeug gefunden (Format 30cmx60cm), die wir uns gut am Boden vorstellen können. Für die Wände werden wir wohl weiße, matte Fliesen im Format 25cmx75cm nehmen, die Wände sollen bis zu einer Höhe von 1,40m gefliest werden. Die bodentiefe Dusche soll bis unter die Decke gefliest werden. Um ein paar Akzente zu setzen, wollen wir die Rückwand der Dusche, als auch die vorgesehene Sitzbank, mit den dunklen Bodenfliesen versehen. Die Seitenwände sollen weiß gefliest werden. Beim Boden der Dusche haben wir uns momentan für 5cmx5cm dunkle Mosaikfliesen entschieden. Außerdem sollen auch die beiden Vormauerungen bei WC und Badewanne mit den dunklen Bodenfliesen versehen werden. So werden die Wände nicht zu weiß und kahl und heben einzelne Positionen nochmal hervor. Holzelemente beim Unterschrank für die Waschtische und einer Sitzbank in Verlängerung der Badewanne sollen für etwas Wärme in dem ansonsten eher kühl gehaltenen Badezimmer sorgen. Diese Planung gefällt uns so momentan sehr gut und wir sind gespannt ob es letztendlich dabei bleibt oder ob wir uns nochmal umentscheiden.
Der Bauherr hat sich am Wochenende dann gleich mal fleißig an den PC gesetzt und schon mal ein wenig das zukünftige Bad konstruiert. So kann man sich einfach auch besser vorstellen, wie dieser Raum wohl gefliest aussehen wird.

 






Das war's soweit erst mal mit den ganzen Neuigkeiten. Wir warten nun also gespannt auf den 09. Juli und bereiten uns weiterhin noch fleißig darauf vor. Danach sind wir unserem Häuschen dann schon ein ganzes Stück näher gekommen und die Vorfreude steigt so langsam...




Wie findet ihr den Grundriss? Und was sagt ihr zur aktuellen Badezimmerplanung?
 
 
 

2 Die ersten Sommertage

 
 
Oh, es sind schon wieder vier Wochen seit meinem letzten Post vergangen? Na dann muss ich mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Hallo Welt, ich bin noch da!
Habt ihr die letzten schönen Sommertage auch so sehr genossen? Mir war es ja zum Teil fast schon wieder zu warm, aber die lauen Abende auf der Terrasse habe ich trotzdem sehr genossen. Und dieser wunderbare Duft von frisch gemähtem Gras oder Heu, der ständig in der Luft liegt! Oh, ich würde ihn am liebsten in Flaschen abfüllen, sodass ich mich auch im Winter daran sattriechen kann. Auch die vielen kleinen Stadtfeste, Flohmärkte und Grillpartys nehmen nun vermehrt zu und tragen dazu bei, den Sommer zu genießen. Und nicht zu vergessen Erdbeeren und Kirschen! Ich weiß gar nicht wie viele Kilo ich davon schon verdrückt habe, aber die gehören für mich zum Sommer dazu wie Eis und Flip Flops. Natürlich hatte ich auch schon den ersten leichten Sonnenbrand (hätte ich gewusst, dass ein vier Kilometermarsch in der prallen Sonne auf mich wartet, hätte ich mich natürlich vorher eingecremt) und war auch schon im Baggersee schwimmen (auch wenn sich die angeblichen 22,4 Grad Wassertemperatur eher nach 16 Grad angefühlt haben). Ja, der Sommer ist endlich da. Und genauso schnell auch schon wieder weg. Aber seien wir mal ehrlich: Mittlerweile haben wir Deutschen uns doch bereits daran gewöhnt, dass es maximal sieben Tage am Stück schönes Wetter gibt (und das ist dann wirklich schon ne Menge!) und dann mindestens wieder fünf Tage schlecht Wetter ist, bevor es allmählich wieder wärmer wird. Oder noch kälter. So einen richtigen Sommer, wie man ihn als Kind noch kannte, gibt es irgendwie gar nicht mehr. Eigentlich schade.
Momentan würde ich bei den Temperaturen zwar am liebsten wieder die Heizung aufdrehen, aber die nächsten warmen Tage sind schon wieder im Anmarsch. Mal sehen wie lange die dann wieder anhalten. Jedenfalls sollte man die wenigen warmen Tage in Deutschland so gut es geht ausnutzen und genießen. Sei es am See, im Eiscafé, auf dem heimischen Balkon/Terrasse oder im eigenen Garten. Mixt euch eine frische Erdbeermilch, schnappt euch ein gutes Buch und lasst euch die Sonne auf den Pelz scheinen!
Oder besichtigt mal wieder die schönen Fleckchen eures Dorfes oder eurer Stadt. So wie bei mir erst geschehen. Und da ich schon lang mal ein paar Fotos von unserem kleinen Städtchen machen wollte, hatte ich auch meine Kamera eingepackt. Und irgendwie mag ich die Fotos, die dabei entstanden sind und möchte sie daher mit euch teilen.


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Mir fällt grad auf, dass ich euch schon länger nichts mehr von unserem Hausbau berichtet habe. Merk ich mir gleich mal und zeig euch beim nächsten Mal die Grundrisse :) Außerdem plane ich gerade eine kleine Post-Reihe für den Sommer und hoffe, dass dies so klappt, wie ich es mir vorstelle.
 
Was habt ihr denn so an diesen heißen Tagen getrieben? Wart ihr draußen unterwegs oder seid ihr lieber in der kühlen Wohnung geblieben? ;)
 
 


5 Fast wie Urlaub...

Meine Eltern sind nun zusammen 120 Jahre alt. Man, total die Dinosaurier :D Nachdem mein Papa bereits im Januar gefeiert hat, war meine Mama nun im Mai dran. Letztes Wochenende fand also eine kleine gemütliche See-Party statt. Praktisch, wenn man Verwandtschaft hat, die ein Strandcafé auf einem Campingplatz mit direkter Lage am Bodensee besitzt. Auch wenn wir nur einen halben Tag dort verbrachten, so fühlte ich mich fast schon wie im Urlaub. Wer einen größeren See oder gar ein Meer in seiner Nähe hat, kann sich echt glücklich schätzen. Ich finde ja, es braucht nur ein wenig Wasser und Wellenrauschen, eine grüne Landschaft und Sonnenschein und schon befinde ich mich im Urlaubsmodus. Obwohl ich nur eine gute Stunde Fahrt bis zum Bodensee habe, bin ich eigentlich viel zu selten dort. Umso schöner, wenn es dann also doch mal wieder klappt und man nach 60 Minuten Warten endlich die ersten Sonnenstrahlen auf dem Wasser glitzern sieht.

Mit der Autofähre ging es dann von Meersburg nach Konstanz und danach dauerte es nicht mehr lange, bis wir an der Party-Location angekommen waren. Und wer jetzt denkt auf einem 60. Geburtstag kommt keine Stimmung auf, der hat sich gewaltig geirrt. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß, es wurde gesungen, getanzt und gelacht bis spät in den Abend hinein (so dass wir fast die Fähre verpasst hätten). Von der Feier an sich möchte ich aus Privatgründen daher keine Fotos zeigen. Aber dafür ein paar Eindrücke vom schönen Bodensee. Das Wetter war auch gnädig mit uns. Die meiste Zeit war es zwar ziemlich bewölkt, aber die Sonne hat sich auch mal kurz blicken lassen. Aber ich finde ja, dass auch ein Himmel voller Wolken unglaublich schön aussehen kann. Ich mag ja Bild sieben und acht ganz gern. Bei den beiden denke ich so gar nicht an den Bodensee, sondern eher an einen Urlaub im Norden Europas.
 
 
 
 
 





 
 
 
 
 
 

 
 
 

2 Die OBI Ladies Night: Frauen Power zwischen Aperol Spritz und Bohrhammer

Fast genau eine Woche ist es nun her, seit ich einen kleinen Einblick in das Spieleparadies der Männer gewagt habe - den Baumarkt :) Nun ist es nicht so, dass ich noch nie im Baumarkt war und ich gehöre auch nicht zu der Sorte Frau, die aufstöhnt, wenn der Freund noch eine kurze Runde drehen will. Denn ich finde einen Baumarkt-Besuch jedes Mal aufs Neue interessant und entdecke irgendetwas, von dem ich noch nie gehört habe und mir dann gerne erklären lasse, wozu es denn dient. Und selbst wenn Frau nun keinen Gefallen an 6er Dübel, Senkkopfschrauben, OSB-Platten oder Gehrungssägen findet, so gibt es ja immer noch Deko-Artikel oder Pflanzen. Von daher Mädels: Scheut euch nicht davor und macht euren Männern mal eine Freude, indem ihr mit ihnen am nächsten Wochenende mal einen Baumarkt-Ausflug unternehmt, anstatt sie wieder nur in einen Klamotten-Laden mitzuschleppen. Vorausgesetzt der Mann an eurer Seite ist überhaupt an handwerklicher Arbeit interessiert. Es gibt ja auch die ein oder andere Gattung, die damit sogar nichts anfangen kann. Aber stellt euch mal vor, ihr als Frau hättet nun eine Ahnung davon, wie ihr die neue Wohnzimmerlampe an der Decke anbringen könnt, oder das neue LACK Regalbrett von Ikea im Schlafzimmer. Oder wolltet ihr schon immer mal den alten Teppichboden im Büro rausreißen und mal schnell nen neuen Laminat verlegen? Dann ran an die Arbeit und traut euch! Denn auch wir Frauen können Heimwerker-Königinnen werden. Wenn wir nur wollen. Und ich wollte. So besuchte ich letzten Donnerstag zusammen mit meiner Schwester die „OBI Ladies Night“ in unserer Stadt und war wirklich sehr gespannt, was uns erwarten würde.
 
 
 
Als angehende Bauherrin wäre es natürlich von Vorteil, wenn ich zumindest ein bisschen Ahnung von den ganzen Werkzeugen, Maschinen und Materialien hätte. Schon früher habe ich meinem Dad gern beim Zusammenbauen neuer Möbel geholfen oder mal über die Schulter geschaut, wenn er etwas im Haus repariert oder neu angebracht hat. Wenn man dann mal selbst Hand anlegen wollte, konnte er es kaum mitansehen wie ich den Akku-Schrauber oder die Bohrmaschine misshandelte und er machte es am Ende doch wieder selbst. Eigentlich schade, denn so lernt man natürlich nie was. Und genau deswegen wurden diese „Ladies Nights“, „Frauenpower-Abende“ oder „Hammerfrauen Workshops“ ins Leben gerufen und werden seit einigen Jahren von verschiedenen Baumärkten angeboten. Männer sind an diesem Abend nicht erwünscht (außer sie bringen uns etwas bei oder versorgen uns mit Sekt) und wir Frauen können ganz ungeniert mal ausprobieren, wie es sich anfühlt eine Bohrmaschine in den Händen zu halten, eine Wand zu verputzen oder Fliesen zu legen.

Wenn ihr nun wissen wollt, wie so eine „Ladies Night“ abläuft, wünsch ich euch viel Spaß beim Durchlesen ;)

Los ging es also Donnerstagabend um 19:30 Uhr. Während sich noch die letzten Kunden ihren Weg durch die Regale bahnten, tummelte sich im Küchenstudio bereits eine Horde Frauen jeglichen Alters, von schätzungsweise 18 bis 70 Jahren war alles dabei. Der Lärmpegel war, typisch Frau, da schon ziemlich enorm und bei Sekt und leckeren Häppchen wurde schon aufgeregt getratscht. Kurz danach ging es dann auch schon los. Der Filialleiter hat alle begrüßt und die einzelnen Stationen und dazugehörigen Leiter vorgestellt. Dazu war noch ein örtlicher Radiomoderator dabei, der für eine lockere Stimmung und später für den „Sekt-Express“ gesorgt hat. Je nachdem mit was man zuerst anfangen wollte, konnte man sich gleich der jeweiligen Station anschließen und loslegen. Wir haben uns erst mal für das Thema „Hochbeet Gestaltung“ entschieden um mit etwas leichtem anzufangen. In unserer Gruppe waren bestimmt so um die 30 Frauen und wir folgten einem netten Herrn von Obi erst mal in die Gartenabteilung. Hier wurde uns dann einiges über Kräuter erzählt und zwei Damen aus der Gartenabteilung haben uns dann erklärt, wie man sich ein Hochbeet selbst bauen kann und wie man das Innenleben mit den einzelnen Schichten aufbaut. Das Gleiche wurde uns dann auch für einen Kräuterkasten für den Balkon erklärt und ich konnte mir tatsächlich einige Tipps holen. Dazwischen wurden wir auch schon wieder bedient. Der Radiomoderator kam mit einem ganzen Wagen voller Getränke angefahren, natürlich typische Frauengetränke: Sekt, Hugo, Aperol Spritz, Radler und auch kleine Gläschen mit Salat oder Tomate Mozzarella hatte er dabei. Und kaum zehn Minuten später trugen die Obi Mitarbeiter ein riesiges Holzbrett herein, das voll war mit Broten, die mit Butter bestrichen und ganz frischen Kräutern belegt waren. Die waren richtig lecker. Verhungern oder verdursten musste an dem Abend wirklich niemand. Ständig liefen Service-Kräfte durch den Markt und brachten Süßes oder Saures zum Naschen vorbei. Nachdem dann immer mehr neue Frauen zur Hochbeet-Gestaltung kamen, ging es dann wieder von vorne los mit der Vorführung. Natürlich konnte man auch jederzeit seine eigenen Fragen stellen.

Direkt nebenan in der Gartenabteilung gab es einen Schmuckstand, an dem man sich Halsketten basteln konnte und auch einen kleinen Modestand mit Klamotten, Unterwäsche und Accessoires. Aber daran sind wir gleich vorbei gelaufen, denn wir wollten ja schließlich was lernen. Also ging‘s als nächstes zum Stand „Kreative Wandgestaltung“. Hier hat uns eine hochschwangere Frau in Latzhose gezeigt, wie man richtig Putz aufträgt und vor allem welche Abstufungen es bei den unterschiedlichen Putzvarianten gibt. Das Thema war für mich auch sehr interessant, vor allem da wir unsere Innenwände wahrscheinlich auch verputzen werden. Da ich mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen kann, was hier alles möglich ist und wie fein so ein Putz sein kann, war diese Station wirklich super. Es waren auch Musterwände ausgestellt, an denen man sich die verschiedenen Abstufungen mal genauer anschauen konnte. Und auch hier stand uns die Dame mit Rat und Tat zur Seite und ich habe sie natürlich gleich mal mit ein paar Fragen gelöchert.

 
 
Anschließend haben wir uns eine Vorführung des Leifheit Fenstersaugers angeschaut. Das war eine ganz coole Sache, vor allem wenn man Fensterputzen sowieso nicht mag :D Mit dem Sauger sah es echt ganz einfach aus. Die Scheiben wurden mit dem Glasreiniger eingeseift und der Sauger an sich verweilt solange im Standby bis man ihn an die Glasscheibe setzt. Erst dann fängt er zu Saugen an. Dann zieht man ihn einfach nach unten ab und das ganze Wasser wird eingesaugt. Keine Streifen am Fenster und kein nerviges runtertropfendes Wasser vom Fensterrand. Sogar der Preis für den Fenstersauger war an diesem Abend runtergesetzt. Normalerweise hätte man über 70 Euro bezahlt aber er war auf 49 Euro runtergesetzt. Ein Blick ins Netz verriet mir jedoch, dass man ihn dort immer noch um einiges günstiger bekommt…

Endlich ging es danach zum Stand von Bosch, wo ein netter Mann sich gerade mit ein paar Damen unterhielt und ihre Fragen beantwortete. Auf einem Tisch waren mehrere Steinblöcke aufgebaut, unter anderem aus Beton und Granit. Und dann durfte ich endlich mal Hand anlegen. Mit dem Bohrhammer hab ich dann ein Loch in die Betonplatte gebohrt. Beim ersten Mal bin ich zwar kurz abgerutscht, aber beim zweiten Mal bin ich dann mit mehr Druck ran und dann ging es auch ganz gut. So hab ich auch gleich gelernt, dass ich den Bohrer nicht einfach ausmachen darf wenn ich noch in der Wand bin, sondern ihn laufen lassen und immer wieder raus und rein bohren muss, sodass der Dreck gleich mit rausfällt. Danach haben wir noch ein paar Fragen gestellt, zum Bohren allgemein, welcher Dübel zu welcher Schraube passt usw. Als nächstes hab ich dann versucht in Granit zu bohren, das war gar nicht so einfach und viel schwerer, aber ganz langsam ging es dann auch da voran. Als letztes sollte ich nochmal ein Loch in die Betonplatte bohren und zwar so tief, dass der passende Dübel gerade so reinpasst. Normalerweise kann man das mit einem Klebeband am Bohrer markieren, aber ich habe es mir so gemerkt. Dann wurde der Dübel vorsichtig reingeklopft und danach habe ich noch die Schraube reingedreht, mit viel Gefühl, bis sie fest im Dübel saß. War gar nicht so schwer und hat mega viel Spaß gemacht.

Leider war an der Station, an der man Laminat verlegen konnte fast nie jemand da. Das hätte ich auch noch gerne ausprobiert, das fand ich etwas schade. Aber dafür haben wir uns dann noch im Fliesenlegen versucht, was auch ganz schön tricky war. Wir haben nämlich schnell gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist, wie es aussieht. An einer Wand konnte sich jeder mal versuchen. Der Fliesenkleber war bereits angerührt und man konnte dann mit einem Zahnspachtel die Masse an der Wand auftragen. Das war wirklich nicht einfach, es durfte schließlich nicht zu viel und nicht zu wenig sein und am besten sollte es schön gleichmäßig aufgetragen werden. Dann schnell die Fliese andrücken und mit Fliesenkreuzchen den Abstand zur nächsten Fliese einhalten. Auch das Verfugen der Fliesen wurde uns gezeigt und so lernten wir, dass man immer diagonal über die Fliesen gehen muss und nicht von oben nach unten, denn sonst streicht man die Fugenmasse gleich wieder raus. Wie man anschließend die Fugenreste von den Fliesen wieder abziehen kann ist ein Thema für sich. Und anscheinend auch das Schwerste am Fliesenlegen. Aber mit ein wenig Übung sicher auch kein Hexenwerk. Interessant war auch das Thema, eine Aussparung in die Fliese zu bekommen, wie zum Beispiel ein größeres Loch für ein Heizungsrohr. Puh, das war vielleicht Arbeit. Die Fliese wurde in eine kleine Vorrichtung eingespannt und mit einem kleinen Hämmerchen musste dann konstant auf den gleichen Punkt der Fliese gehämmert werden. Solange, bis man ein kleines Loch hatte, in das man mit der Papageienzange greifen und so dann die einzelnen Fliesenstücke herausknipsen konnte. Dafür wird jede Menge Geduld und Feingefühl benötigt.

Dann war es fast schon Zeit zu gehen. Die meisten bauten leider schon ihre Stände ab und es war auch schon viertel nach zehn. Wir haben dann noch kurz im Küchenstudio vorbeigeschaut, wo es nach wie vor noch ein paar schick angerichtete Häppchen und Sekt gab. Auch in der „Schönheits-Ecke“ haben wir noch kurz vorbeigeschaut. Hier konnte man sich von unserem Stadt-Friseur Hochsteckfrisuren anfertigen lassen, wurde geschminkt oder bekam die Falten geglättet mit irgendeinem neuen Mittelchen aus den USA. Selbst wenn man also keine Lust aufs Handwerken hatte, konnte man sich quasi einen netten Mädels-Abend im Baumarkt machen ;) Wir haben auch nicht nur einmal gesehen, wie die männlichen (meist jungen) Angestellten des Obi-Markts einen ganzen Wagen voll Mädels durch die Gegend geschoben haben, die laut grölend mit ihren Sekt-Gläsern in der Hand eine Menge Spaß zu haben schienen. Und es konnte auch mal sein, dass aus den Lautsprechern, aus denen man normalerweise nur „Frau Müller bitte zur Information“ hört, auf einmal laut Helene Fischer dröhnte.


 
Beim Verlassen des Baumarkts bekamen wir dann sogar noch eine kleine „Goodie Bag“ mit einer Obi Mütze, einem Schlüsselhalter, einem kleinen Obi-Biber, Luftballons und zwei Gutscheinen mit jeweils 10% Rabatt.
Voller Tatendrang wollte ich zuhause dann gleich mal ein paar Löcher in die Wand bohren. Aber guuuut, ich hielt mich zurück und hoffe nun, dass meine Motivation auch noch in ein paar Monaten vorhanden ist und ich bei unserem Häuschen ordentlich mitanpacken kann.
 
Jedenfalls kann ich allen Mädels, die mal Lust haben sich ein wenig handwerklich auszuprobieren, nur so eine „Ladies Night“ im Baumarkt empfehlen. Man muss sich nur anmelden und wird den ganzen Abend kostenlos mit leckerem Essen und Getränken versorgt. Der Spaß kommt sowieso nicht zu kurz und man lernt auch noch was dabei. Was will man mehr? Ich bin auf jeden Fall bei der nächsten „Ladies Night“ wieder am Start und hab schon so viele meiner Mädels neugierig gemacht, dass wir beim nächsten Mal sicher auch eine größere Gruppe sein werden. Von mir aus darf es dann auch gerne noch mehr Stationen geben, an denen man sich handwerklich austoben kann. So, und ich geh mir jetzt Sicherheitsschuhe für den Bau bestellen :)
 
 
 
Habt ihr schon mal an so einer Ladies Night teilgenommen? Oder seid ihr an handwerklicher Arbeit gar nicht interessiert? Oder seid ihr vielleicht schon Handwerker-Profis? :)
 
 
 
 

2 Frühlings-Thriller

Heute habe ich den Thriller „Todeskind“ von Karen Rose zu Ende gelesen. Mit über 700 Seiten war ich mir sicher, dass ich eine Weile brauchen würde. Aber nach gut zwei Wochen habe ich es nun doch schon fertig. Es hat mich einfach mal wieder von der ersten Seite an gepackt. Und obwohl ich bestimmt zwei Jahre lang nichts mehr von Karen Rose gelesen habe, ist sie nach wie vor eine meiner Lieblingsautorinnen. Und das habe ich bei diesem Buch mal wieder bemerkt. In „Todeskind“ geht es unter anderem um einen kranken, alten Sack (anders kann man ihn leider wirklich nicht bezeichnen), der unschuldige junge Mädchen in seiner Hütte im Wald versteckt hält und grausame Dinge mit ihnen anstellt. Wilson Beckett ist sein Name und in meiner Fantasie hab ich ihn mir ziemlich ekelerregend vorgestellt: Ein alter Mann mit grauen Haaren, dreckigen Klamotten, lüsternem, irren Blick und total krank in der Birne.  Manchmal wäre es besser man würde seine Fantasie ein wenig zügeln und könnte sich solche Bilder ersparen. Aber so macht das Lesen einfach viel mehr Spaß. Und ich hatte sowieso schon immer eine sehr lebhafte Fantasie.




Schon seit Tagen will ich endlich mal raus mit der Kamera und dieses wunderbare Frühlingserwachen fotografieren. Die weißblühenden Mandel- und Kirschbäumchen, satte grüne Wiesen mit leuchtend gelbem Löwenzahn (kurzer Exkurs ins Schwäbische: bei uns wird der Löwenzahn auch „Groddabluam“ oder „Bettsoicher“ genannt) dazu blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Doch bei den besten Fotografier-Bedingungen sitze ich leider meistens im Büro und wenn ich dann mal Zeit hätte ist das Wetter schon wieder ziemlich bescheiden. Auch heute Abend habe ich mir lange überlegt was ich tun soll. Und ganz ehrlich? Ich hatte auch irgendwie überhaupt keine Ahnung wo ich denn hin sollte zum Fotografieren. Die meisten schönen Bäume oder Landschaften stehen oft direkt an der Straße oder irgendwo in einem Wohngebiet. Beim einen kann man schlecht mal kurz mitten auf der Straße anhalten und die Kamera zücken und beim anderen möchte ich ehrlich gesagt nicht mit der Kamera durchs Wohngebiet ziehen, die könnten ja weiß Gott was denken…So bin ich einfach mal planlos ein Stück aus dem Ort gefahren, habe das Auto abgestellt und bin losgewandert. Der Himmel war inzwischen schon leicht bewölkt und die Sonne am Untergehen. Na super, beste Bedingungen also…Orientierungslos hielt ich gleich mal an der erstbesten Blumenwiese an, aus Angst, dass es vielleicht das einzige Blumenmotiv auf meinem Weg sein könnte. Irgendein Blumenbild musste ich unbedingt haben! Todesmutig begab ich mich also in die Wiese um die Blümchen auch schön in Nahaufnahme aufs Bild zu kriegen. Es roch zwar schon verdächtig nach Gülle, aber das kam nur von den ganzen umherfahrenden Bauern mit ihren Güllefässern. Meine Blumenwiese war noch schön trocken. Und sowieso: Wer sollte denn auch ne Blumenwiese düngen?
 

 
Ich spazierte also weiter und bog auf einen noch kleineren Feldweg ab. Ich konnte nicht sehen wo er hinführte, aber ich hoffte einfach mal, dass ich noch ein paar schöne Motive finden würde. Auch wenn weit und breit kein Mandel- oder Kirschbaum in Sicht war. Ist ja schließlich DAS Blogger-Motiv schlechthin. Brauch ich also auch. Aber ich kann euch schon mal verraten: Ich schwimm mal wieder gegen den Strom und poste keine Kirschblütenfotos. Weil ich erstens keine gefunden hab auf meinem Spaziergang und weil das ja zweitens schließlich jeder kann. Tja, aber wer kann schon sagen, dass er auf seinem Abendspaziergang einfach mal so nen coolen alten Traktorreifen als Fotomotiv oder eine nostalgische Milchkanne in einer Waldsenke findet? BÄM! Here I am!
 

 
Plötzlich war da nämlich dieses kleine Waldstück, das auch noch in einer Senke lag, und als ich um die Ecke bog entdeckte ich eine kleine Hütte und einen alten Bauwagen. Außerdem einen Schwenkgrill und eine Bierbank, auf der sogar noch die Ketchupflasche und das Grillgut von der letzten Orgie lagen. Irgendjemand musste hier also regelmäßig herkommen. Auf einmal schlug mein Herz schneller. Obwohl die Ruhe und die sanfte Sonne, die durch die Bäume schien, den Ort unglaublich schön erscheinen ließ, ging meine Fantasie mit mir durch.

Oh Gott, das ist Becketts Versteck, seine Hütte! Er beobachtet mich bestimmt schon und wartet nur darauf mich anzuspringen und mir eine Spritze mit Ketamin in den Hals zu jagen. Dann wird er mich in seine Hütte verfrachten und niemand weiß wo ich bin. Sie werden mich nie hier finden! Scheiße, ich muss hier weg!
 
 
Aber wisst ihr, was ich stattdessen gemacht habe? Ich bin immer weiter auf die Hütte und den Bauwagen zugelaufen. Es zog mich magisch an. Obwohl ich echt ein bisschen Angst hatte, musste ich diesen Ort einfach genauer erkunden. Und jetzt weiß ich auch, dass ich kein Stück besser bin als die Protagonisten in meinen Lieblingsthrillern. Jedes Mal wenn die so ne Dummheit begehen und das Ganze förmlich nach Gefahr schreit, frag ich mich immer, wieso die nicht gleich abhauen. Was ist denn da so schwer dran, wenn es doch offensichtlich ist? Aber jetzt kann ich diese Charaktere noch besser verstehen. Es ist einfach dieser Reiz des Verbotenen. Man hat etwas entdeckt und will wissen, was dahinter steckt.


Als ich dann plötzlich ein Rascheln und ein lautes Hecheln wahrnahm setzte mein Herz für einen Moment aus. Oh Gott, da ist jemand! Zum Glück war es nur ein kleiner Schoßhund, der auf mich zu gerannt kam und in meiner Panik dachte ich sogar bei diesem kleinen Kläffer, dass er mich nun anfallen und beißen würde. Aber er war ganz brav, sprang nur kurz an mir hoch, leckte meine Hand und flitzte wieder davon. Puh, nochmal Glück gehabt. Sicher würde gleich sein Herrchen auftauchen. Und ja, sein Herrchen tauchte kurz danach auch auf. Ein alter Mann mit grauen Haaren und dreckigen Klamotten. Scheiße. Das war Beckett! Er starrte mich an und verlangsamte seine Schritte. Ich überlegte mir schon ernsthaft wie ich am besten aus dieser Senke flüchten konnte. Doch dann ging er weiter und ich atmete erleichtert aus. Ok, noch zwei, drei Fotos schießen und dann aber nix wie weg hier! Natürlich war der Mann kein Wilson Beckett und kein Serienmörder (also hoff ich doch mal) sondern nur ein alter Landwirt in blauer Latzhose, aber es passte einfach so gut! Beim Rückweg begegnete ich den Beiden dann auch, das kleine Hündchen sprang wieder freudig auf mich zu und Beckett, ich meine, der alte Mann, fragte mich, was ich denn so fotografieren würde. Wir unterhielten uns kurz, ich wünschte den beiden noch viel Spaß bei ihrem Rundgang und ging dann ziemlich zügig Richtung Auto. Man, ich sag‘s euch, manchmal ist so ne blühende Fantasie echt nicht gut fürs Herz. Und aus einem langweiligen Blümchen-Fotografier-Spaziergang wird auf einmal das eigene Leben zum packenden Thriller.
 
 

 
Und so hab ich nun für euch leider keine typischen Frühlings-Blogger-Fotos, aber dafür eine spannende Geschichte und etwas andere Frühlingsfotos. Denn auch wenn ich nun keine blühenden Kirschbäumchen fotografiert habe, so spüre ich bei diesen Fotos trotzdem den Frühling. Ich denke daran, wie ich früher als Kind aus Löwenzahn Nudelsuppe gekocht habe. Die Stängel wurden feinsäuberlich in einzelne Streifen getrennt und ins Wasser geworfen, wo sie sich dann sofort gekringelt haben. Ich denke an das schmerzende Gefühl der Brennnesseln, durch die man als Kind so oft gelaufen oder einfach nur beim Toben reingefallen ist. Ich denke an viele schöne Stunden, die man beim Spielen im Wald verbracht hat, über Erdhügel gerutscht und danach in einem Bett voller Waldblumen gelandet ist.  Und bei dem Bild mit dem alten Reifen auf der Weide muss ich sogar an das fiese Gefühl denken, wenn man mal kurz an den Elektrozaun gefasst hat, weil man doch unbedingt den Ball wieder zurückholen musste, der aus Versehen auf die Kuhweide geflogen war. Autsch, das ging immer einmal durch den ganzen Körper. Aber auch das hat als Kind dazu gehört. Und ja, diese Fotos erinnern mich daher viel mehr an Frühling als alle anderen Kirschblütenfotos. Auch wenn diese natürlich trotzdem schön anzusehen sind.



 
 



Habt ihr auch irgendwelche Kindheitserinnerungen an den Frühling? Etwas, das ihr heute noch damit verbindet? Oder hattet ihr auch schon mal so ein Thriller Déjà-vu?
 
 
 

Ich wünsch euch ein tolles Wochenende!